Wann fällt eine stehende Traverse mit Bodenplatte und Moving Head eigentlich um? Wie hoch muss die Ballastierung für diese Konstruktion sein, damit ein Umfallen durch eine Gästeeinwirkung im öffentlichen Eventbereich verhindert wird?

Gesetzliche Grundlage

Laut EN 13782:2005 (D) $5 Abs. 1.1 ist ein Nachweis zur Sicherheit gegen Umkippen, Gleiten und Abheben notwendig. Daher sollte jede Person, die stehende Traversen errichtet eine derartige Rechnung vorliegen haben.

Lest weiter und erfahrt alles über die Berechnung und welche Ballastierung man für eine stehende Traverse benötigt.

 

Grundlage für den Einsatz Innen

Grundsätzlich gehen wir davon aus, dass bei einer stehenden Traverse mit Basement Platte keine Gewichte außerhalb der kippbaren Achse liegen, somit kann die Traversen Konstruktion im inneren Bereich ohne äußere Einflüsse nicht umfallen. Somit wird auch eine Windkraft (bestehend aus Winddruck und Windangriffsfläche) in der folgenden Berechnung nicht berücksichtigt. Welche Ballastierung dafür notwendig sind rechnen wir jetzt aus.

Kippmoment und Standmoment

Folgendes Szenario: Ein Gast versucht mit voller Kraft eine stehende Traverse mit Base und ggf. Gerät z.B. Moving Head umzustoßen. Um zu wissen, wann die stehende Traverse kippt müssen zwei Werte ermittelt werden. Zum einen das Standmoment und zum anderen das Kippmoment. Ist das Kippmoment größer als das Standmoment kippt die Traverse um. Dabei ist nicht berücksichtigt, dass der Gast auf dem Basement als Gegengewicht steht.

Welche Krafteinwirkung ist nötig?

Als Grundlage benötigen wir die horizontale Höhe der Krafteinwirkung. Bei Events mit vielen Gästen empfiehlt sich mit 1,5 m zu rechnen. Daraus resultiert die Krafteinwirkung. Bei Events mit normalem Publikumsverkehr z.B. bei Hochzeiten ist mit 750 Nm zu rechnen. Bei Veranstaltungen mit wenigen Gästen ca. 500 Nm und bei Events mit viel Publikum sollte man mit 1000 Nm rechnen.

Die folgende Berechnung stützt sich auf ein Beispiel für ein Event mit normalem Publikumsverkehr, also keine überfüllten Events. ;-)

Formel Kippmoment: M(Kipp) = F * r.

Berechnung Kippmoment: 500 N * 1,5 m = 750 Nm

M(Kipp) = 750 Nm

Sicherheitsfaktor laut DIN 4112

Nimmt man die DIN 4112 zur Hand, ehemals BGVC1, kann man für fliegende Bauten Indoor einen Sicherheitsfaktor von 1,3 dazu rechnen.

Berechnung Kippmoment mit Sicherheitsfaktor: 750Nm * 1,3 = 975 Nm

Gewichtskraft der stehenden Traverse berechnen

Jetzt haben wir den Gast, der die Traverse mit einer gewissen horizontalen Krafteinwirkung in Höhe von 1,5 m umstoßen will. Nun brauchen wir noch den Gegenspieler, den Standmoment der stehenden Truss. Dazu nehmen wir vom symmetrischen Truss-Objekt alle Gewichtskräfte der Massen und zählen diese zusammen. Im Beispiel rechne ich mit einer 3-PIN / 3-Punkt Traverse.

1 x kleiner No-Name Moving Head je nach Modell ca. 6 kg
1 x Global Truss oder ähnliche Anbieter Deckplatte F33 1,35 kg
1 x Global Truss oder ähnliche Anbieter F33150 Traverse 1,5 m 7,5 kg
1 x Global Truss oder ähnliche Anbieter Multi Base Bodenplatte 600 x 600 x 5 mm 12,8 kg

Gesamtgewicht beträgt somit 27,65 kg

Formel zur Berechnung der Gewichtskraft aller Massen an Objekt: F = m * g

F = 27,65 kg * 10 m/s2 = 630 N

Die Gewichtskraft aller Massen der stehenden Traverse beträgt 630 N.

Standmoment der stehenden Traverse berechnen

Formel zur Berechnung des Standmoments: M(Stand) = F * r

Dazu benötigen wir noch die Kippachse der Multi Base Bodenplatte. Diese berechnet sich recht einfach, denn der Abstand zwischen Mittelpunkt und dem Rand ist die Kippachse. In unserem Fall ist die Bodenplatte 60 cm x 60 cm lang. Somit ergibt sich eine Kippachse der Grundplatte von 0,3.

M(Stand) = 630 N * 0,3 m = 189 Nm

Fazit: In dieser Berechnung fehlen uns leider, um auf 975 Nm zu kommen noch 761 Nm.

Wie viel kg insgesamt für eine Ballastierung benötigt wird berechnen wir jetzt.

Symmetrisch verteilte Gewichtskraft

Berechnen wir nach Umstellung der Formel m = F * r in F = m / r, somit ist

F = 762 / 0,3 = ≈2537 N

Das entspricht einer Masse von 253,7 kg, da m = F / g = 2537 N / 10m/s2 = 253,7 kg.


Somit ergibt sich eine fehlende Ballastierung von 253,7 kg.

Benötige Ballastierung Gesamt

m1 + m2 = m (Gesamtballast)

253,7 kg + 27,65 kg = 281,35 kg

Die gesamte Ballastierung der stehenden Traverse sollte mit 281,35 kg  geschehen.

Fazit der Berechnung

Eine handelsübliche Ballastierung reicht für einen sicheren Stand zwar aus. Doch ein Kippen der stehenden Traverse durch eine Fremdeinwirkung durch Veranstaltungsteilnehmer ist meist gegeben. Durch eine zusätzliche Ballastierung wird die DIN 4112 mit dem Sicherheitsfaktor von 1,3 eingehalten. Ich empfehle euch die Berechnung mit euren vorhandenen Materialien selbst durchzuführen. Sicher habt ihr schon in der Praxis gemerkt wie einfach es ist eine stehende Truss zum Kippen zu bringen. Durch die anliegende Hebelwirkung ist durch menschliche Einwirkung ein Kippen recht leicht. Dies erklärt auch das Ergebnis mit einer recht ungewöhnlich hohen Ballastierung.

Lösung für eine Nutzung ohne schweren Ballast?

  1. Aufstellen der vertikal stehenden Traversen nur in Bereichen mit eingewiesenem Personal vornehmen
  2. Noch größere Grundplatten verwenden
  3. Bauteile mit größerer Masse nutzen

Quelle: https://www.musiker-board.de/threads/ballastierung-bodenplatte-4-punkt-traverse.651589/

 

Weitere interessante Links zum Thema:

Wer noch mehr über Formeln und Tabellen für Veranstaltungstechnik von Cay Grossgk & Petra Kreinelke erfahren will, sollte sich dieses Buch kaufen.

Wer noch mehr über fliegende Bauten und Windlasten erfahren will schaut auf bei Global Truss vorbei.

Und natürlich möchte ich das Musiker-Board wärmstens empfehlen.

 

Ich wünsche euch allen eine erfolgreiche Veranstaltung mit euren stehenden Traversen.

 

#djtipps #dj #djs #djsicherheit #eventsicherheit #traverse #globaltruss #standmoment #kippmoment #berechnung